FLAT TRACK RACING

2019 hat uns die Lust gepackt. Als Besucher beim Hells Race in Lelystad (Flat Track NL) wurde uns schnell klar:

WIR WOLLEN SELBER AUF DEN TRACK!

Wie gut, dass wir schon länger eine alte Suzuki GN 400 bei Enrico von LooseScrew gebunkert haben. Doch bislang wussten wir nicht wofür wir sie einsetzen wollen. Nach dem Erlebnis in Lelystad und ein wenig Recherche, was man zum Flattracken denn alles so benötigt, ging es direkt los.
Mit Enrico getroffen, die GN in den Transporter geschmissen und erst mal Abfahrt zu unserer Werkstatt - Bestandsaufnahme!

Da steht das hässliche Entlein! Laufen soll sie. Davon sehen, hören und fühlen wir erst ein mal wenig. Alle Kabel wurde vor Ewigkeiten mal wild abgeknipst und man glaubt es kaum: ein Teil des Fahrwerks wird mit Kabelbindern zusammen gehalten. Challenge Accepted! CDI gefunden und alles soweit es geht für die erste Testfahrt befestigt. Erster Test: der Qualmtest – es qualmte! Bestanden.

Die erste Hürde genommen, technisch läuft der Motor wie 'ne eins. Das heisst für uns, Material ranschaffen für die nächsten steps. Wir listen hier einfach mal auf, was wir alles gemacht und verwendet haben. Das Ergebniss zeigen wir in Bildern:

  • Elektrik: Alles raus was man nicht braucht, Totmannschalter am Lenker installiert
  • Felgen: vorne + hinten auf 19" umgespeicht, original Radnaben, Felgenringe in 19x2,15
  • Reifen: MITAS H18 130/80-19 vorne, MITAS H18 140/80-19 hinten
  • Fahrwerk vorne: Serie mit härteren Federn + Öl, Holme soweit es ging durchgesteckt
  • Fahrwerk hinten: neue, 15mm längere und härtere Federbeine
  • Tank: Suzuki GN 125
  • Bremse: vorne entfällt, hinten Serie
  • Vergaser: Serie + offenen Luftfilter
  • Schalldämpfer: Edelstahl im GP Style (Dämpfen tut der aber nix!)
  • Lenker: "Cross" von Tommaselli
  • Kupplungsgriff: ALU-Kupplungsgriff inkl. Dekomphebel
  • Sitzbank: Storz-Flat-Track-Style Sitzbank
  • Motoröl: MOTUL 300V 10W40

An dieser Stelle einen ganz besonderen dank an den Kickstarter-Shop & MOTUL Deutschland für den Support beim Aufbau unseres Projekts!

Dafür das alles nebenbei mal eben umgebaut wurde, ging alles ziemlich schnell. Im Juni '19 das Bike abgeholt und im August '19 das erste mal in Lelystad eine Testrunde gedreht, man war das ein geiles Feeling alleine auf dem Track seine Runden zu drehen! Der Umbau ging echt locker von der Hand, es ist mehr erlaubt als verboten und so kann man bis auf wenige Teile die den Regularien entsprechen müssen sich austoben. Genau deshalb erfreut sich das Thema Flat Track Fahren in den letzten Jahren einer immer größeren Fanbase. Was einst der Motorsport der breiten Masse war, erlebt nun ein Comeback in Zeiten wo der uns bekannte Motorsport mehr mit Regularien, Lizenzen und finanziellen Machenschaften zu tun hat, als für die meisten unter uns erschwinglich ist.

JEDER KANN MITMACHEN UND GENAU DAS MACHT DEN CHARME AUS!

Zurück aus Lelystad und den ersten Dreck aus dem Gesicht und von der Karre gewaschen, konnte es an die kleinen Details gehen. Fahrwerk noch etwas abstimmen, Kettenschutz und Nummerntafeln montieren und die Ausrüstung für das erste Trainings- & Rennwochenende packen. Immer dran denken, Benzinkanister und etwas Werkzeug einpacken. Bei der ersten Testfahrt auf dem Track lief die GN sauber durch, klar hat sie mit 27PS keine brachiale Kraft, zum Einstieg für einen totalen Beginner wie mich aber eine perfekte lineare Kraftentwicklung um ein Gefühl für das richtige Fahrverhalten auf dem Untergrund zu bekommen.

DUTCH FLAT TRACK SERIES - RACE 2 / 2019

Ich bin dabei und habe mich direkt für zwei Rennklassen registriert, Newbies & Rookies! Der Samstag ist allgemeines Training, eine kleine Gruppe mit gemischten Fahrern aus allen Klassen wird immer für einige Minuten auf den Track gelassen. Die Sonne brennt extrem und die 28°C Außentemperatur lassen den luftgekühlten Einzylinder auf Anschlag im zweiten Gang ganz schön Arbeiten, tut ihm aber nix  - gut das ich vorher den Vergaser abgestimmt habe und die Karre nicht überhitzt. Die ersten Runden laufen echt gut und es fühlt sich an, als ob man schon öfter auf dem Hobel gesessen hat, doch auch das permanente im Kreis fahren in der Linkskurve verlangt einem einiges ab.

Für den kommenden Tag rechne ich mir fürs Rennen keine großen Chancen aus, natürlich ist der eigene Ehrgeiz geweckt etwas zu reißen, doch darf man nicht vergessen, es geht um den Spaß und das mitmachen! Wer zu viel riskiert, gerade in meinem Fall als Selbstständiger, kann dann auch mal länger ausfallen - eher uncool!

SUNDAY - RACEDAY!

Sonntagmorgen, schnell noch aus dem Zelt pellen und ab zum Riders Briefing. Von jetzt auf gleich ist der Dirt Track mit Leuten gefüllt, denn in den frühen Morgenstunden kam der Rest der Teilnehmer an und bereiteten sich für die kommenden Rennen vor.
"Erst 4 Runden Training in jeder Klasse, dann wird mit den Newbies gestartet, im Anschuss kommen die Rookies, danach .... ", okay, ich hab direkt zwei Rennen nach einander, but track time is practice time!

In jeder Klasse werden drei Rennen gefahren, dabei startet man einmal aus jeder Startreihe heraus und bekommt am Ende jedes Rennens Punkte für seine Platzierung. Nach den drei Rennen wird anhand der Punkte das Top Fahrerfeld fürs Finale bestimmt. Bedeutet, man hat in jeder Klasse bis zu 5 Turns (1 Turn mit 4 Runden Training, 3 Turns mit 6 Runden Rennen, 1 Turn 8 Runden Finale). Die Rennen in der Newbie Klasse liefen sehr gut für mich und ich bin direkt mit ins Finale eingezogen, auch bei den Rookies konnte ich soeben noch ins Feld der Finalisten mich einreihen. Doch dann kam doch der Moment mit dem Ehrgeiz im Finale der Newbies, ich lag auf Platz 3 und hatte noch vier Runden vor mir.

Also Angriff auf Platz zwei, doch kurz bevor ich aufholen konnte überschätzte ich mich in der Kurve vor der Zielgeraden und stürzte .... nix passiert, aufgestanden, wieder aufgesetzt, um dann festzustellen das mein Kupplungsgriff abgebrochen ist und der Lenker krumm. Das war es dann mit ins Ziel fahren und leider auch damit, bei den Rookies im Finale anzutreten.

Fazit, ich wurde in beiden Klassen nicht Erster und nicht Letzter! Passt nur auf, wir kommen wieder und dann wird das Treppchen ins Visier genommen!

Bild: Mark Meijering

Bild: Mark Meijering

Bild: Mark Meijering

Bild: Mark Meijering

 

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